Christian Suchy

„Mia eaglean ned de Wöd,
des mochen e sovü aundare,
mia berüan“

Christian Suchy

Das „Movement“, das von Christian Suchy ausgegangen ist und noch immer ausgeht, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Als wir 2012 unser großes 20-Jahres-Fest in der Ruckergasse mit dem „Maskenbällchen“ würdig gefeiert haben, beschlich uns zwischendurch schon das Gefühl, alle unsere Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, methodisch, künstlerisch, technisch und auch kräftemäßig. Das Ende des Projekts schien näher zu rücken. Als „Suchy“ – hier nun als Motor und Prinzip angesprochen – die Kreativ am Werk-Truppe innig „umarmte“, um mit ihr zu arbeiten, hat er Türen aufgestoßen, die wir in der alten Arbeitsweise nicht mehr oder überhaupt nie aufbekommen hätten. Die Prozesse und Ergebnisse der letzten Jahre, die in der Gruppe eine künstlerische Identität entstehen haben lassen, überzeugen uns alle von Mal zu Mal, dass dieser Prozess weitergehen soll und muss, ja dass er noch mehr Menschen – sowohl als Akteure als auch als Publikum – erreichen soll – und wohl auch wird.

Nach einigen Workshops und Coachings mit Christian Suchy, wagen wir im Jahr 2013 ein ganzes Stück mit Suchy. Ihm gelingt es, dass Shakespeare-Texte gelesen und bearbeitet werden – und die Mitwirkenden aufgrund von Körpertraining- und Tier-Improvisations-Einheiten „Personagen“ erarbeiten, eigenständige Figuren, – keine Rollen! – die miteinander in Aktion treten und die Handlung erst in einem weiteren Schritt hervorbringen. Die Körperarbeit wird zur Basis für die Geschichte(n), der Text formt sich erst, wenn die „Personagen“ tragfähig sind. Bei der klassischen Rollenarbeit wäre es genau umgekehrt. Suchy motiviert alle Akteure zu einem radikalen Perspektivenwechsel. In der Folge nimmt er als Regisseur auch massive Änderungen im Bühnen- und Technikkonzept vor. Licht- und Ton-Technik werden radikal reduziert, bzw. weggelassen, ebenso die Kostüme (jeder hat nur mehr ein einziges Kostüm, – und diese stammen z. B. schlicht aus der Kleiderkammer in der Mentergasse), ebenso der Bühnenbau, der nunmehr ganz andere Funktionen bekommt. Auf diese Weise schafft Suchy eine Konzentration auf die Figuren und deren Spiel. Vieles, was in den Produktionen davor, Energie und Aufmerksamkeit gebunden hatte, ist einfach nicht mehr vorhanden. Anstelle der „Technik“ steht nun das „Spiel“ – und auch eine neue verheißungsvolle Spiel-Freude. Die erste Produktion, die Suchy mit der Gruppe erarbeitet, ist „DOSCHNFEIDL & NOCHDIGOI“. Es folgen „HEABSDSCHONZEID“ und „DE PROFUNDIS“, in denen Suchy auch als Akkordeonist mitwirkt. Mit letzteren beiden Produktionen gehen wir auch wieder hinaus, um neue Räume und Menschen zu erleben. 2016 spielen wir in einem gerade nicht benötigten Pavillon im psychiatrischen Krankenhaus Otto Wagner Spital, 2017 im Kloster der Salvatorianer.