Empowerment mit Randgruppen ist eine private Initiative, welche sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte aus dem Freizeitprogramm eines Caritas-Obdachlosenhauses entwickelt hat. Seit 1997 hat sich das Projekt als Verein organisiert und unabhängig gemacht. Im Proben- und Spielraum in der Ruckergasse im 12. Bezirk werden von den Betroffenen Theater-Stücke erarbeitet und aufgeführt.

Wie die Erfahrung der vergangenen Jahre gezeigt hat, ist die Empowermentarbeit (Stärkung der Kompetenzen) im kreativen Rahmen eine effiziente Methode, um Menschen mit sozialen und psychischen Problemen zu unterstützen, neue Verhaltensstrategien zu eröffnen und so zum Gelingen ihres Alltags beizutragen.

Beim Theaterspielen sind wir schon sehr früh gelandet und geblieben, weil das Erarbeiten und Aufführen von Theaterstücken für die Gruppe viele Möglichkeiten bietet. Die TeilnehmerInnen können sich je nach ihren Fähigkeiten und Interessen einbringen: als SchauspielerIn, DekorateurIn, BühnenbildnerIn, AutorIn, MusikerIn, TänzerIn, MaskenbildnerIn, Licht- und Ton-TechnikerIn, OrganisatoIn, usw.

Die Stücke entwickeln wir immer in einem intensiven Prozess mit der gesamten Gruppe. Sehr oft handelt es sich um Lebenserfahrungen der Mitwirkenden, manchmal aber auch bewusst um ganz andere Wirklichkeiten. Seit einigen Jahren haben wir für uns die Form des „Collagentheaters“ erarbeitet und nutzen diese flexible Form häufig, um unsere Geschichten zu erzählen. Die Arbeitsschritte beginnen meist mit einer Brainstormingphase, in der wir die Ideen und Anliegen der Gruppe festhalten. Nach Festlegung des Themas für die nächste Produktion werden Kleingruppen gebildet, in denen Szenenfolgen erarbeitet werden. Daraus entsteht in monatelangem Improvisieren und Proben die Produktion. Nach den Aufführungen folgt eine Feedbackphase.

Ergänzt wird unsere Arbeit durch Trainingworkshops, Einzelcoachings der Schauspieler, Theaterbesuche und andere Freizeit-Aktivitäten der Gruppe. Alle paar Jahre organisieren wir längere Arbeits-Aufenthalte, die auch der Stärkung des Gruppenzusammenhalts dienen.

An vier Prinzipien des persönlichen Wachstums halten wir uns fest:

Empowerment – Nutzung (kreativer) Fähigkeiten führt zu Selbstbewusstsein
Gemeinschaft – Soziale Integration, Akzeptanz und Vernetzung setzt Kräfte frei und ermöglicht Entwicklung
Bildung – Lernen macht stärker und eröffnet neue Horizonte
Produktorientierung – Produktivität und Kreativität sind wichtiger als persönliche und lebensgeschichtliche Einschränkungen

Methodisch und atmosphärisch beziehen wir uns auf das Theater der Unterdrückten von Augusto Boal und auf das Gedankengut von Theaterpädagogen und Regisseuren wie Stanislawski, Brecht u. v. a.