Nach den eher punktuellen Erfahrungen der monatlichen Workshops »brauchten« wir gegen Ende 1999 wieder eine fundamentalere Gruppen- und Kreativitätserfahrung, was uns dazu führte, ein neues Projekt in Angriff zu nehmen. Die Gruppe war größer und fordernder geworden. Ein lediglich prozesshaftes Dahinarbeiten ohne bleibendes Werk (fehlende Produktorientierung) schien zunehmend reizlos. Alles drängte nach einer neuen Stufe der Selbst-Präsentation. Zur Umsetzung einer neuerlichen neuntägigen Arbeitsklausur im Bildungshaus Zwettl bedurfte es auch einer umsichtigen finanziellen Planung. Mittlerweile waren wir aber ein eigenständiger Verein, d. h. es galt auch eine größere Verantwortung zu übernehmen. Die monatlichen Workshops vor der Arbeitsphase in Zwettl dienten bereits der gruppendynamischen und thematischen Vorbereitung. Die Gruppe hatte gelernt, sich rasch auf neue Themen einzustellen, diese dramatisch umzusetzen. Darauf galt es aufzubauen.

Außerdem mussten wir einen neuen Weg der Themenfindung entwickeln. Es sollte – trotz der größeren Gruppe – ein gemeinsames Werk werden. So saßen wir dann am Beginn der Arbeitsphase Zwettl im großen Kreis und das jüngste Mitglied von KaW begann die Erzählrunde mit den Worten: »Es war einmal eine Familie …« Damit waren die Weichen für ein neuerlich »biographisches« Stück gelegt. Unser Stück handelte von einer zerrissenen Familie (die erste Szene spielte doch tatsächlich am Heiligen Abend!). Der Vater hatte Alkoholprobleme (kein Zufall), die Mutter war depressiv, die Tochter stürzte sich ständig in oberflächliche und schwierige Beziehungen, der Sohn bewältigte die Familiensituation durch rechtsradikale Gesinnung. Eingestreut in die Familienhandlung waren satirische Szenen einer versuchten Familientherapie, die letztendlich das vorläufige Zerbrechen der Familie nicht verhindern konnte.

Dass wir das Stück sä¤ter auf der Bühne des Therapiezentrums Ybbs präsentierten und im Publikum eine Reihe von Therapeuten saß, war nur ein Ausdruck für die Realitätsspiegelungen unseres neuen faszinierenden Werks. Wirklich belebend für die gesamte Theatertruppe waren auch die Varieté-Szenen, das Darbieten von Tanz- und Gesangsnummern, das uns schon den Weg in das künftige Stück (2002) wies. Überhaupt erwies sich die Arbeit an PRO 2000 als ein Qualitätsschub in vielerlei Hinsicht, besonders durch die verstärkte Wahrnehmung technischer Probleme (Bühnenbau, Licht- und Tonanlage), aber auch durch die Tatsache, dass sich unter den Mitwirkenden ein Profi-Pianist- und Arrangeur befand, der uns die Erringung neuer Ufer geradezu lustvoll auferlegte.

Die Erstpräsentation unseres komplexen Zweiakters fand auch nicht mehr auf einer improvisierten Bühne im Obdachlosenheim statt (wie 1995 und 1998), sondern auf einer echten Theaterbühne, auf der auch Aufführungen des Volkstheaters stattfanden. An ein Aufhören war jetzt nicht mehr zu denken, sondern nur mehr: Was wird unser nächstes Stück? Gleichzeitig erschien der erste Artikel Über unsere »Empowermentarbeit« in der schweizerischen Fachzeitschrift für Sozialarbeit.