WENDLDREBBN IM GNAGG (2019/2020) 

 

Eine einzige Idee gab es von Anfang an: das Wartezimmer. Auf diesen Ort haben wir uns schon bei unserem ersten Treffen eingependelt. Was haben wir uns davon versprochen? Von Anfang an war klar, dass das Wartezimmer eine Art „Laboratorium“ der Begegnungen ist: Für eine gewisse Zeit kommen einander völlig fremde Menschen zusammen und halten sich in einem Raum auf, wie chemische Substanzen reagieren die dort Anwesenden miteinander. In dieser Begegnungsküche kann vieles entstehen und sichtbar werden. Schon nach den ersten Improvisationen im Buffet in der Ruckergasse waren wir im Wartezimmer angekommen – und haben es in den darauffolgenden Wochen sinnbildlich nicht mehr verlassen.

Dass wir mit der Festlegung auf die Wartezimmersituation einige der großen literarischen Metaphern für das menschliche Dasein berühren würden, ist uns dann nach und nach aufgegangen. Von den Romanen und Erzählungen Kafkas haben wir in den Proben immer wieder gesprochen: vom Herumirren des Landvermessers K. im Schloss, aber auch vom Türhüter in der Parabel „Vor dem Gesetz“. 

6 Menschen kommen im Wartezimmer zusammen. Lange Zeit wissen sie nicht, was der Zweck ihrer „Vorladung“ ist. Erst am Ende enthüllt sich ein Akt der Rache… 

Das thematische Koordinatensystem verbindet aber nicht nur das absurde Theater (Beckett, Kafka) mit dem Wiener Volksstück (Dialekt), sondern auch mit der für Suchys Arbeiten typischen Clownerie.

Nach der Spielphase in der Ruckergasse haben wir das Stück auch in einem vorübergehend aufgelassenen Pavillon auf der alten Psychiatrie Baumgartner Höhe gespielt. Die letzte Aufführung fand dann kurz vor Ausbruch der Pandemie Ende Jänner 2020  in Mödling statt.