METAMOAFOSN (2022)

 

Corona im Keller

Corona stand gewissermaßen immer im Raum. Zunächst bescherte uns die Pandemie den Abbruch unserer Arbeitsphase im Herbst 2020. Kaum hatten wir uns im Keller eingerichtet, war auf einmal alles aus. Buchstäblich haben wir alles liegen und stehen lassen. Auf unbestimmte Zeit. Erst im April 2022 sind wir wieder zusammengekommen. Die Welt hatte sich seither verändert. Zweifellos wir auch. Das Thema „Metamorphosen“, das wir uns also schon 2020 ausgesucht hatten, hat sich in drei pandemischen Jahren seelisch und körperlich in uns eingeschrieben. Natürlich stand uns anfänglich auch die üblicherweise gern zitierte Verwandlung der Raupe zum Schmetterling vor Augen, aber wir haben sie rasch hinter uns gelassen – und wurden zu Insekten. Das Schmetterlinghafte wurde mit dem pandemischen Frust zum Insektischen. Passte wohl auch besser zum Keller, in dem wir uns Tag für Tag aufhielten.

Tag für Tag stiegen wir die Stiegen hinunter in den Keller der „Ruckergasse“, meist zwischen 10 und 13 Uhr, draußen war die Welt, wir im „Untergrund“. Unverkennbar war dies eine Perspektive und eine Situation, die sich auf vieles auswirkte. Der staubige Boden. Der kleinere Raum. Die nackten Ziegelwände. Selbst der Weg zum Klo war eine aufwändige Exkursion in die obere Welt. Aber auch Corona itself schaute bei uns vorbei: Zwei Infektionen ereilten uns. Die täglichen, von Christian Suchy eingeführten Schnelltests am Beginn jeder Probe wurden zu einem neuen Ritual.

 

DAS STÜCK

Drei Figuren liegen anfangs schlafend auf dem staubigen Kellerboden. Man weiß nicht, wo man sich befindet. die Figuren wissen es auch nicht. Sie wissen überhaupt nicht viel. Wie aus einem Kokon kriechen sie aus ihrer Schlaf-Welt heraus und entdecken ihre Umwelt. Anfangs haben sie noch nicht einmal eine Sprache. Sie kennen ihre Geschichte nicht, sie kennen ihre Namen nicht, sie wissen nicht, warum sie an diesem Ort sind. Eine vierte Person taucht aus der Dunkelheit auf. Sie liest Texte von Ovid vor, verschwindet wieder, kehrt wieder. Erst allmählich beginnen die Figuren, miteinander in Kontakt zu treten, spekulieren über ihre Geschichte. Der Wendepunkt kommt von ihr, der vierten Figur, sie übergibt ein Buch, das die Erinnerungen wieder hervorholt. Alle vier waren einmal in der Erziehungsanstalt des Herrn Ferdinand, in dessen Keller sie sich offensichtlich befinden. Hier wurden die Zöglinge gefoltert, einer von ihnen ist ein Täter, andere tragen ihr Leben lang schon schwer an den Folgen der Qualen. Gibt es eine Lösung? War es nicht besser, im Zustand der Nicht-Erinnerung zu verharren? Am Ende schließt sich der Kreis… „Die Zukunft hat eine sehr lange Vergangenheit. Die Vergangenheit hat aber keine Zukunft.“ lauten die letzten Worte.